Dr. Paul Pinchas Lazarus (1888–1951)

Dr. Paul Pinhas Lazarus, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des Wiesbadener Judentums, war von 1918 bis 1938 sowohl Wiesbadener Bezirksrabbiner als auch Stadtrabbiner in der Synagoge am Michelsberg. Als Mitbegründer des „Jüdischen Lehrhauses“ in Wiesbaden, als Präsident der Nassau-Loge (B`nai Brith) und als Präsidiumsmitglied der „Vereinigung der Liberalen Rabbiner Deutschlands“ hat er sich weit über Wiesbaden hinaus einen Namen gemacht.
Paul Lazarus studierte in Marburg und in Erlangen Jüdische Theologie, Geschichte sowie Philosophie und promovierte 1911 in Erlangen mit einer Arbeit über das Baseler Konzil. Anschließend ging er nach Breslau und besuchte dort das Jüdisch-Theologische Seminar – eine der bedeutendsten Lehrstätten des modernen Judentums. Während des Ersten Weltkrieges betreute er als freiwilliger Feldrabbiner jüdische Soldaten an der Front. In der Nachkriegszeit zog er nach Wiesbaden und heiratete die aus Warschau stammende Hedwig Walfisch (1925). Gemeinsam mit ihr widmete er sich der Integration zugewanderter Juden aus Osteuropa. Neben seinem Engagement als Präsident der Nassau-Loge, an der Paul Lazarus als Mitglied fast 20 Jahre mitwirkte, und als Mitbegründer sowie Dozent des Jüdischen Lehrhauses in Wiesbaden engagierte er sich zudem im überparteilichen „Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands“.

Nach 1933 war Rabbiner Lazarus entscheidend am Ausbau der sozialen Hilfen in der „Jüdischen Wohlfahrtszentrale“ beteiligt und trug dazu bei, bisherige Einzelverbände zusammenzuschließen. 1939 emigrierte er mit seiner Familie nach Palästina und publizierte 1949 die Schrift „Die Jüdische Gemeinde Wiesbaden“, ein Erinnerungsbuch an eine zerstörte Gemeinde.

Mit 63 Jahren ist Dr. Paul Lazarus am 1. Januar 1951 in Israel verstorben. Seine bedeutende Bibliothek befindet sich heute im Besitz der Paul Lazarus Stiftung.

Das Foto links zeigt die die Synagoge der liberalen Hauptgemeinde am Michelsberg, an der Paul Lazarus lange Zeit als Rabbiner tätig war und die deshalb im Hintergrund der Paul Lazarus Webseite zu sehen ist.

siehe auch den Beitrag von Sabine Hank:
 „Ich stehe als Feldrabbiner zur Verfügung“ der Essener Rabbiner Paul Lazarus

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