Edgar Hilsenrath erzählt aus seinem Leben:

„Deutsch war nicht die Sprache der Nazis. Es war meine Sprache.“

Hörprobe

Dazu liest Ulrich Matthes aus seinem Werk
Tonträger 2 CDs, 134:51 Min.
Booklet: 28 Seiten
empf. VK 19,50 €
ISBN 978-3-941289-03-1
Hrsg. Aktives Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte e.V. 2009

Edgar Hilsenrath wird 1926 als Sohn eines Pelzhändlers in Leipzig geboren. 1938 flüchtet seine Mutter mit ihm und seinem Bruder in die Bukowina/Rumänien. Als 14-jähriger beschließt er, Schriftsteller zu werden. 1941 wird die Familie in das Ghetto Moghilev-Podolsk (heutige Ukraine) deportiert, im März 1944 durch russische Truppen befreit. 1945 wandert er nach Palästina aus, wo er sich als Gelegenheitsarbeiter verdingt. Er will einen Roman über das Überleben im Ghetto schreiben, scheitert jedoch bei dem Versuch, eine Form dafür zu finden. 1947 geht er nach Frankreich zu seiner Familie. Sein Vater, der dort den Krieg überlebt hat, lässt ihn eine Kürschnerlehre absolvieren. Weitere Schreibversuche enden in Schreibblockaden, die er 1949 überwindet. 1951 wandert er in die USA aus, verdient sich Geld durch Gelegenheitsjobs und schreibt weiter an seinem Roman „Nacht“, der 1964 in Deutschland veröffentlicht wird. Der Vorwurf, das Buch könnte antisemitische Reaktionen auslösen, bringt den Verleger dazu, es vom Markt zu nehmen. Es erscheint 1966 in den USA, ebenso sein zweites Buch 1971 „Der Nazi und der Friseur“, das in Form einer Groteske die Massenvernichtungen aus der Sicht eines Täters beschreibt. Es wird begleitet von dem Vorwurf, über den Holocaust dürfe man keine Groteske schreiben. 1975 kehrt Hilsenrath zurück nach Deutschland, um im deutschen Sprachraum zu leben und zu schreiben.

Während der Begegnung mit Edgar Hilsenrath im Jahr 2009 lag der Fokus seiner Erinnerungen ab dem Jahr 1975 – dem Jahr, in dem er in seine Sprachheimat Deutschland zurückkehrte – ausschließlich auf dem Schreiben. Um dieser Tatsache gerecht zu werden, werden seine Aussagen durch Passagen aus seinem Werk ergänzt. Für Hilsenrath bedeuteten die vielen Stunden des Sprechens eine große Anstrengung, der er sich trotzdem mit der ihm eigenen Willenskraft stellte. Um ihn nicht auch noch der zusätzlichen Belastung des Vorlesens auszusetzen, übernahm der Schauspieler Ulrich Matthes diesen Part.

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