Die zweite Generation Zeitzeugen erzählt

Die neue Audio-Dokumentation „Die zweite Generation Zeitzeugen erzählt“ basiert auf biografisch-narrativen Interviews, die anhand von Leitfragen durchgeführt werden. Die Intention dieser Audio-Produktion, die transgenerationellen Auswirkungen der Shoa auf die Zweitgeneration darzustellen. Von den Kindern, die mit ihren Eltern nach Deutschland zurückkamen, verfügen wir nur wenig Informationen. Zwar wird diese Thematik in literarischer Form von einzelnen Personen aufgegriffen; doch im öffentlichen Dialog ist sie kaum präsent. Jüngst scheint sich eine Änderung anzuzeigen, wie die Stellungnahme von Dieter Graumann, ehemals Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, in einem Interview 2013 erkennen ließ: „Ich meine, dass das Gedenken trotzdem weitergehen muss. Wir von der zweiten Generation kommen nun in diese Rolle hinein. Wir sind aufgewachsen mit den Prägungen und Traumatisierungen unserer Eltern, wir haben auch ganz viel zu erzählen. Aber wir brauchen Menschen, die es interessiert, die zuhören wollen, damit sie verstehen können.
Die Interviews mit Vertretern der zweiten Generation sollen – Leitfragen gestützt –strukturiert verlaufen. Solche Leitfragen werden frei gehandhabt, um den Erzählduktus nicht zu beeinträchtigen; sie gewähren letztlich eine vergleichende Evaluation.
Die Interview-Partner*innen werden nach zwei Kriterien ausgewählt:

  1. ihre Eltern wurden vom NS-Regime in Deutschland oder in den von ihm besetzten Gebieten verfolgt,
  2. ihre Eltern, die vor dem NS-Regime emigrierten und nach 1945 wieder nach Deutschland (BRD oder DDR) zurückgekehrt sind.

Bei der Entwicklung der Leitfragen bedienen wir uns bisheriger Forschungsergebnisse zur zweiten Generation – nicht zuletzt rezipieren wir die Arbeiten von Dan Bar-On und Gabriele Rosenthal.
Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Aspekte:

  1. der innerfamilialen Umgang mit der Verfolgungsgeschichte der Eltern,
  2. die Bedeutung des sozialen Umfeldes in Kindheit und Jugend; auch die Rolle Jüdischer Gemeinde in der Biografie der zweiten Generation
  3. die Bildungs- und Berufsbiografie,
  4. Motivationen und der Weg zum gesellschaftspolitischen Engagement in Deutschland,
  5. die Auswirkungen der sich verändernden deutschen Erinnerungskultur auf das Engagement der zweiten Generation

 

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