Rabbiner in Wiesbaden

Im Vergleich mit den traditionsreichen SCHUM-Städte – hebräisches Akronym für Speyer {Schpira}, Worm {Warmaisa – U} und Mainz {Magenza} – und deren führende Rolle im aschkenasischen Judentum ist die Wiesbadener eine historisch junge jüdische Gemeinde. Zwar lebten ab dem 17. Jh. immer wieder jüdische Familien in Wiesbaden, doch erst ab dem letzten Drittel des 18. Jh. gibt es in Wiesbaden eine Israelitische Kultusgemeinde mit folgenden Rabbinern:

  • Abraham Tendlau (1769 – 1790)

  • gefolgt von seinem Sohn Hayum Tendlau (1790 – 1829

  • ein Interregnum vom drei Jahren mit diversen Rabbinern auf Zeit

  • Dr. Abraham Geiger (1831 – 1838), dem Spiritus Rektor eines liberale (Reform-)Judentums

  • erneutes Interregnum

  • Dr. Benjamin Höchstädter (1843 – 1844) als provisorischer Bezirksrabbiner

  • Dr. Samuel Süskind (1844 – 1884) – das längste liberale Rabbinat in Wiesbaden

  • Dr. Michael Silberstein (1884 – 1908)

  • Dr. Adolf Kober (1908 – 1918)

  • Dr. Paul Pinchas Lazarus (1918 – 1938), emigriert 1939 nach Palästina (Haifa)

  • Dr. Bruno Finkelscherer (1939)

  • Hansjörg Hanff (1940 – 1942) – im Mai 1942 deportiert

Daneben existierte – in Respons zum liberalen Judentum – eine neo-orthodoxe Gemeinde (erst als Israelitischen Religionsgesellschaft; ab 1879 als Altisraelitische Kultusgemeinde):

  • Samuel Ickstädter (1830 – 1853)
  • Dr. Leo Lipman Kahn (1869 – 1925)
  • Dr. Jonas Ansbacher (1925 – 1938) – 1938 im KZ-Buchenwald; emigriert 1939 nach London    

Mit der großherzoglichen Verordnung vom August 1843 wurden in Nassau vier Rabbinatsbezirke eingerichtet (Wiesbaden, Diez, Weilburg und Langenschwalbach). Seitdem gilt die liberale Israelitische Kultusgemeinde als Hauptgemeinde. Dieselbe Verordnung beendete offensichtlich auch den Kompetenzstreit zwischen dem provisorischen liberalen Rabbiner Höchstädter und dem Privat-rabbiner Igstädter. Übertragen wurden Dr. Höchstädter für den Amtsbezirk Wiesbaden Konfirmation, Schulvisitation und die Hälfte der „Kopulationen“ (Gebühren, die bei Hochzeiten, Bar Mitzwa und Beerdigungen entstehen), die andere Hälfte ging an Rabbiner Igstädter.

In loser Reihenfolge werden wir Beiträge zu einzelnen Rabbinern einstellen, die ausgewählte Tätigkeitsbereiche derselben beleuchtet. 

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