Eine Privat-Genisa aus dem Wiesbadener Raum

167 Jahre nach dem Tod des jüdischen Getreidehändlers Samuel Jessel (1776–1836) wurden bei der Renovierung eines alten Hauses neben Kultgegenständen – ein Zinnkännchen, das Leviten (Priestern) zum Waschen der Hände dient, und Palmblättern (Lulav), die zum Segnen beim Laubhüttenfest (Sukkot) verwendet werden – zahlreiche Schriftstücke in deutscher sowie in jiddischer Sprache (deutsch in hebräischen Schriftzeichen) entdeckt – versteckt unter Dachziegeln auf dem Dachboden des Hauses in Delkenheim.

Als Mitglied einer Priesterfamilie wollte Samuel Jessel – entsprechend der jüdischen Tradition, dass Papier, auf dem der Name Gottes zu finden ist, nicht vernichtet werden darf – die Familiendokumente in dem Dachbodenversteck „beerdigen“. Im Unterschied zu der Mehrheit der Genisa-Funde, die in abgesonderten Hohlräumen unter dem Dach von Synagogen gemacht wurden und mehrheitlich religiöse Schriftstücke enthielten, besteht die Delkenheimer-Genisa aus nicht-religiösen Dokumenten – etwa einem Schutzbrief, Heiratsverträgen oder Gerichtsurteilen, die die Handelstätigkeit der Familie betreffen. Noch konnten allerdings nicht alle Dokumente des umfangreichen Fundes restauriert werden.

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