Jüdische Friedhöfe

Bis 1747 wurden Wiesbadener Juden auf dem Alten Friedhof in Wehen beigesetzt. Ab 1747 entstand „auf dem Kuhweg“ – später „Schöne Aussicht“ – der erste jüdische Friedhof in Wiesbaden, der zweimal (1779 und 1850) erweitert wurde. Auf Betreiben der Stadtbehörden musste 1890 dieser Friedhof für weitere Beerdigungen geschlossen werden. Offensichtlich kam die Stadt zu erwartenden Einsprüchen der Bewohner jener Villen und Landhäuser zuvor, die mit der Zeit längst des Friedhofs entstanden waren.
Nach langen Verhandlungen bot die Stadt – entgegen des Grundsatzes, kein kommunales Eigentum zu entäußern – der Israelitischen Kultusgemeinde ein Grundstück entlang des städtischen Friedhofes an. Am 4. Januar 1891 weihte – anlässlich der Beerdigung von Dr. med. Pauly aus Posen – der damalige Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Silberstein den neuen jüdischen Friedhof an der Platter-Chausee ein. Die Schließung des alten Friedhofs [Schöne Aussicht] für weitere Beisetzungen beendete zugleich den Friedhofsverband mit den umliegenden Gemeinden Biebrich, Bierstadt und Schierstein.
Nach der Gründung einer Wiesbadener Austrittsgemeinde entstand ein eigener Friedhof der neo-orthodoxen Altisraelitischen Kultusgemeinde am Hellkundweg. Der Einrichtung eines zweiten jüdischen Friedhofs in Wiesbaden waren harte Verhandlungen vorausgegangen, bis dass die geltend gemachten „religionsgesetzliche Notwendigkeit“ akzeptiert wurden. Im Beitrag der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 21.11.1877 zur Einsegnung des Hellkundweg-Friedhof am 15. November 1877 klingt diese Auseinandersetzung noch nach: „Herr Dr. Kahn hielt eine ergreifende Rede, welche auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. In heißem Gebet flehte der Redner die Gnade Gottes herab auf seine Majestät den Kaiser, das kaiserliche Haus, die Staats- und städtischen Behörden, durch deren Mitwirken es allein ermöglicht worden sei, dass der Humanität, der Toleranz in so erhebender Weise Rechnung getragen wurde durch die Herstellung eines Friedhofes, von welchem niemand ausgeschlossen werden könne.“

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