Sammlung Schildkraut/Meier

Karl-Heinz Meier hat in Berlin Theaterwissenschaften studiert und Mitte der 1960er Jahre sein Dissertationsvorhaben begonnen. Die Sammlung gibt einen Einblick in das Schaffen Rudolf Maximilian Schildkrauts (eigentlicher Name Braunstein, geboren am 27. April 1862 in Galatz, Rumänien, gestorben am 15. Juli 1930 in Los Angeles) sowie in die Theaterwelt der Jahrhundertwende in Deutschland und Österreich sowie in die Filmwelt der 1920er Jahre in Amerika.

Karl-Heinz Meier verstarb zu Beginn der 1970er Jahre und konnte sein Dissertationsvorhaben nicht abschließen.

Rudolf Maximilian Schildkraut hatte zum Zeitpunkt der Forschungen Karl-Heinz Meiers in Fachkreisen einen verschwindend geringen Bekanntheitsgrad. Sein aus Burstin bei Lemberg (Galizien) gebürtiger Vater Ignatz Braunstein und seine jüdische, in Istanbul geborene Mutter führten in Galatz ein Hotel. Nach dem Tod des Vaters heiratete die Witwe den Gastronom Schildkraut. Ein um 1880 erlassenes Gesetz verbot Juden das Betreiben des Schankgewerbes, so dass die Familie nach Argentinien (Buenos Aires) emigrierte. Rudolf Maximilian Schildkraut, der neben Rumänisch auch Deutsch, Spanisch, Französisch und Türkisch sprach, war stets bemüht, seine rumänisch-jüdische Herkunft zu kaschieren.

Im Jahr 1880/81 besuchte er die „Schauspielschule des Wiener Conservatoriums“ und sammelte in den 1880er Jahren erste Erfahrungen bei ungarisch-österreichischen Wandertruppen, später im Varieté. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war er Mitglied des Max-Reinhardt-Ensembles. Dort spielte er in den Jahren von 1905 bis 1915 in mehr als 35 Rollen und war mitverantwortlich für die wachsende Bekanntheit und die weltweite Geltung, die sich das „Deutsche Theater Berlin“ und der Name Max Reinhardt erwarben. In den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zählte Schildkraut zu den bedeutendsten Charakterdarstellern auf deutschen Bühnen. Seine Interpretation der Figuren des „Shylock“ und des „König Lear“ wurde in zeitgenössischen Kritiken hochgelobt. Nach Gastspielaufritten in New York (1911-1913) ging der Schauspieler 1920 endgültig nach Amerika und schloss sich dem „Jiddischen Theater“ an. In New York gründete er 1925 im Stadtteil Bronx eine eigene, dem jiddischen Theater verpflichtete Bühne, das „Schildkraut-Theater“. Rudolf Maximilian Schildkraut starb am 15. Juli 1930 in Hollywood, USA.

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