Sammlung Kleinstrass/Kester

Paul Ludwig Kleinstrass wurde am 14. Dezember 1925 in Wiesbaden geboren. Er und seine Schwester Helene (am 12. Dezember 1923, ebenfalls in Wiesbaden, geboren) konnten 1938 und 1939 kurz nacheinander Deutschland verlassen. Helene emigrierte zu Verwandten in die USA, Paul gelangte mit einem Kindertransport nach Schweden.

Im Gegensatz dazu scheiterten die Ausreiseversuche der Eltern und der Großmutter: Der Vater Albert Kleinstrass (geboren am 8. März 1883 in Bredenborn, Kreis Höxter in Westfalen) und die Mutter Johanna (geb. Baum, am 11. August 1897 in Wiesbaden) wurden am 1. September 1942 zunächst nach Theresienstadt deportiert, dann nach Auschwitz gebracht und dort im Januar 1943 ermordet. Die Großmutter Emilie Baum (geb. Baer, am 5. Dezember 1876 in Wiesbaden) wurde ebenfalls am 1. September 1942 nach Theresienstadt verschleppt und starb dort noch vor dem geplanten Weitertransport am 12. Mai 1944.

Der erhaltene Briefwechsel umfasst die Briefe der Eltern und der Großmutter aus Deutschland an Paul Kleinstrass in Schweden. Nach ihrer Deportation konnten die Eltern und die Großmutter Postkarten aus Theresienstadt verschicken, die ebenfalls Bestandteil des Nachlasses sind. Sowohl die Briefe als auch die Postkarten unterlagen der Zensur, was noch an vereinzelten Schwärzungen nachzuvollziehen ist. Die sehr persönlichen Briefe vermitteln einen Eindruck der Lebensumstände der Zurückgebliebenen und von deren vergeblicher Hoffnung auf Rettung.

Paul Kleinstrass emigrierte später in die USA, nach New York und Los Angeles, wo er, verheiratet mit der 1924 in Berlin geborenen Susanne Jeanette Luft, unter dem Namen Paul L. Kester lebt. Der Sohn Daniel John Kester wurde 1954 geboren.

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